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Baldurs Gate 2 – Schatten von Amn

Es ist da! Endlich, der heiß ersehnte Nachfolger des letztjährigen Hits Baldurs Gate ist erschienen und bereitet mir schon seit geraumer Zeit schlaflose Nächte.

Als ich das Spiel mit zitternden Händen öffnete, zeigte sich mir das vom ersten Teil gewohnte Bild: ein Haufen CDs und ein dickes Handbuch. Die Installation erfolgte schnell – sofern man bei 2,5 GB von schnell reden kann – und problemlos. Allerdings braucht das Spiel, ebenso wie der erste Teil, massig Festplattenspeicher, wenn man nicht ständig die CD wechseln will. Ausserdem ist die Spielperformance von der Festplatte auch um einiges höher als von der CD.

Das spiel ist kurz nach dem ersten Teil angesiedelt und “wirft” den Spieler direkt in die Handlung. Man spielt wieder das Ziehkind des Magiers Gorion, der schon im ersten Teil umgebracht worden ist. Der Spieler findet sich in einem düsteren Gefängnis wieder und muß sich zuerst einmal den Weg in die Freiheit freikämpfen. Unterwegs wird man bald auf einige Freunde aus dem ersten Abenteuer treffen, die wieder als Mitstreiter fungieren.

Grafisch ist bei Baldurs Gate II alles beim Alten geblieben, da Bioware weiter die alte Engine verwendet und diese kaum verbessert hat. Es sieht also wieder so aus, dass ziemlich lächerlich animierte Figuren auf phantastischen, vorgerenderten Hintergründen umher spazieren. Die einzige offenkundige Verbesserung an der Engine ist die Unterstützung von OpenGL zur Darstellung von Zaubersprüchen, die damit zugegebenermaßen außergewöhnlich schön aussehen.

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Auch am eigentlichen Gameplay hat sich auch wenig geändert, da es immer noch auf den AD&D Regeln basiert.

Was ist an diesem Spiel jetzt eigentlich großartig und neu? Neues gibt es, wie gesagt wenig. Die meisten Neuerungen sind nur sehr dezent. Das Hauptargument für dieses Spiel – und gleichzeitig das Hauptargument dagegen – ist der Umfang: 200 Stunden geschätzte Spielzeit. Eine Welt, die so lebendig erscheint, dass man gar nicht weiß was man zuerst tun soll. Hinzu kommt noch eine Handlung, die noch wesentlicher verschlungener als die des ersten Teils ist. Es kann Ihnen durchaus passieren, dass sie durch die Gassen laufen und auf einmal ein Mann vor Ihnen steht, der mit einem aus ihrer Party noch ein Hühnchen zu rupfen hat und aus diesem Grund gleich eine kleine Privatarmee mitgebracht hat, um sich diese alte Rechnung zu begleichen.

Diese Geschehnisse nehmen alle Einfluß auf den weiteren Spielverlauf. Zugegeben, im Prinzip ist die Handlung linear aufgebaut, aber der Spieler kann durch seine Spielweise sehr viel daraus machen. Wer jedes einzelne Quest lösen will, kann über eine Woche am ersten Kapitel zubringen. Wer aber lieber der Handlung nachgeht, ist innerhalb weniger Stunden bereits in Kapitel zwei. Diese Flexibilität machen das Spiel zu einem Genuß, für jeden, der die Geduld hat sich darauf einzulassen. Gelegenheitsspieler und Anfänger werden von dem Spiel und seinen Möglichkeiten wahrscheinlich “erschlagen” werden und ziemlich bald frustriert aufgeben. Für diese Spieler ist Baldurs Gate 2 daher nur bedingt zu empfehlen und sollte auf jeden fall vor dem Kauf probegespielt werden.

Die Musik ist weiterhin in einem Stil gehalten, der sich sehr nach Mittelalter anhört und ausgezeichnet zum Spiel paßt. Glücklicherweise hatte man bei der Lokalisierung dieses mal ein glücklicheres Händchen, als in Baldurs Gate 1, und dem Spieler bleibt das bisweilen schon ziemlich lächerlich anmutende “Sächsisch” aus dem ersten Teil erspart. Ich habe nichts gegen den sächsischen Dialekt als solchen, aber ich denke in einem Spiel sollte hochdeutsch gesprochen werden.

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Leider haben sich aber auch in der Synchronisation ein paar kleine Bugs eingeschlichen, die hauptsächlich in Unterschieden zwischen gesprochenem Wort und dem Text auf dem Bildschirm bestehen. Als Beispiel sei hier ein Charakter genannt, der im 3. Kapitel zur Party stoßen kann. Wenn er sie wieder verläßt sagt, dass er, dass er in sein Haus nach Atklata (die größte Stadt im Lande Amn) zurückkehrt. Zu lesen ist jedoch nur etwas von seinem Landhaus in den Bergen. Nichts Fatales also, aber es trübt das ansonsten nahezu perfekte Bild des Spieles etwas.

Die Steuerung von BG2 geht leicht von der Hand und sollte auch einem Neueinsteiger keine Probleme bereiten, da sie sich selbst erklärt und auch im Handbuch sehr gut erklärt wird.

Fazit: Wer ein Spiel sucht, in dem 80 Mark gut angelegt sind, ist bei Baldurs Gate 2 – Die Schatten von Amn gut aufgehoben. Das Verhältnis Spielzeit pro Mark dürfte hier mit Abstand am besten von allen Titeln auf dem Markt sein.

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Aquanox 2: Revelation

Letztes Jahr rief der inoffizielle Nachfolger zu BlueBytes 1997 erschienenen Schleichfahrt eher geteilte Meinungen hervor: Die alten Fans fanden das Gameplay von Aquanox zu actionlastig und zu unrealistisch. Die Story und ihre Präsentation war den meisten zu flach und konnte sie somit nicht wirklich vom Hocker hauen. Mit Aquanox II wollen die Mannheimer nun den alten Veteranen gerecht werden und haben eigenen Aussagen zufolge enorm viele Wünsche aus der Community berücksichtigt. Die Frage ist: Hält Aquanox II das, was uns von Massiveversprochen wird?

Es muss bitter sein, wenn mal als verwöhntes Muttersöhnchen noch an die Romantik von Abenteuern auf See glaubt, an Freibeuter und Abenteurer, nur um plötzlich festzustellen, dass dieses Leben nur recht wenig mit den eigenen Vorstellungen gemeinsam hat. So ergeht es Ihrem Alter-Ego William Drake. Als Sohn eines Transportunternehmers führt er ein eher behütetes Leben, bis das Schicksal zuschlägt, und ihn seiner Eltern beraubt: Seine Mutter kommt bei einem Unfall ums Leben, und sein Vater verschwindet kurz darauf auf mysteriöse Weise. Von nun an wird das Familienimperium von seiner Großmutter geleitet, um deren Geschäftsfähigkeiten es eher bescheiden bestellt ist – kurz gesagt, die Firma geht den Bach runter. Am Ende steht William nur noch mit einem einzigen lausigen Frachter da, mit dem er seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Leider ist dieses Prachtstück auch ein gerne gesehenes Beutestück bei Piraten, und so findet sich der Jungspund nach einer verkorksten Rettungsmission auf einmal in mitten von Piraten und Halsabschneidern wieder, die sich seinen Frachter unter den Nagel gerissen haben. Zum Glück ist der Kopf der Bande zumindest ein halbwegs anständiger Kerl und nimmt Drake in die Truppe auf.

Mit William Drake hat Massive auf eine neue Hauptfigur gesetzt, die Emerald Flint ablöst, und es so möglich macht eine im Gegensatz zum Vorgänger wesentlich interessantere Geschichte zu erzählen, die zwar klischeebehaftet ist, aber dennoch zu gefallen weiß. Den Aufstieg des Jungspundes zum Veteranen haben wohl alle Actionspieler schon duzende Male “erlebt”, doch in Aquanox II ist aufgrund einer recht interessanten Charakterentwicklung von William Drake für Unterhaltung gesorgt.
Viel wirklich Neues gibt es im Vergleich zum ersten Teil aber dennoch nicht zu bewundern. Die großen augenscheinlichen Neuerungen liegen vor allem im Interface. Man hat sich bei Massive auf alte Tugenden besonnen und präsentiert die Lokalitäten wieder wie anno ’97 in Schleichfahrt als vorgerenderte Bilder, auch die Ausstattung des eigenen Bootes präsentiert sich wieder in diesem Stil. Ansonsten bekommen Kenner von Aquanox viel Bekanntes serviert, das mit einem Schuss Realismus (Stichwort “Physik”) verfeinert wurde.

Die Missionen von AN2 sind insgesamt weniger actionlastig ausgefallen als im Vorgänger, was aber nicht heißen soll, dass es nichts zu tun gibt, sondern dass viele Missionen mehr, inzwischen sehr viel mehr, bieten, als “mach alles platt”. In einer Mission geht es beispielsweise darum eine Wissenschaftlerin aus einer misslichen Lage zu retten. Das ist auch sehr schnell geschafft, allerdings besteht die Dame darauf, dass die Feinde sie zu einfach zurückverfolgen könnten, wenn man auf direktem Weg zum Mutterschiff zurückkehren würde – also nehmen unsere Helden (in AN2 hat man in vielen Missionen Flügelmänner) das Hintertürchen, nur um festzustellen, dass es dabei durch eine alte Piratenbasis geht, die immer noch komplett mit Scharfschützen verseucht ist. Natürlich wird unser Alter Ego losgeschickt um dieses Problem zu beseitigen. Was folgt ist eine nette anschleich Einlage, die zwar relativ schwer ist, aber trotzdem einen Heidenspaß macht.

Die meisten Missionen des Spiels sind ähnlich interessant gestaltet. Einziger Kritikpunkt ist der teils relativ knackige Schwierigkeitsgrad, vor allem, wenn man bedenkt, dass es oft noch einen letzten Versuch der Gegner gibt den Spieler zu erwischen, und dass meist direkt vor dem eigenen Mutterschiff, oft gerade dann, wenn man sowieso schon schwer angeschlagen nach Hause kommt und bei solch einer Aktion kaum noch Chancen hat. Schade, dass es keine Punkte in den Missionen gibt, an denen automatisch abgespeichert wird, damit man nicht jedes Mal die teilweise doch recht langen Anfangsphasen der Missionen noch mal spielen muss, wenn man eine Mission verbockt hat.

Grafisch hat sich nicht viel getan, aber wieso auch: Die Krassengine, die hinter dem Spiel steckt, sieht auch heute noch seht gut aus. Die aus Aquanox bekannte Unterwasserwelt wurde einem Facelifting unterzogen und erscheint nun noch detaillierter und vor allem noch düsterer, was für ein gewaltiges Atmosphäreplus sorgt. Mit Grafikkalibern vom Schlage Unreal 2k3 kann es Revelation zwar nicht aufnehmen, die positive Seite davon sind jedoch die Hardwareanforderungen, die sich für heutige Standards sehr moderat ausfallen. Die Modelle der U-Boote sind detailliert, allerdings könnte die Texturauflösung etwas höher sein, denn wenn man nahe an die Gegner heran kommt wirken die Texturen teilweise doch etwas verwaschen. Wie schon im Vorgänger hat auch Revelation eine gewaltige Unterwasserflora aufzuweisen, von kleinen Wassergräsern bis hin zu größeren “Bäumen” wird alles geboten was das Gärtnerherz begehrt.

Der Sound ist wohl einer der stärksten Punkte des Spiels. Zum einen ist die Sprachausgabe nicht mehr so flachbrüstig wie im ersten Teil und zum anderen ist mit dem harten Metallsoundtrack hervorragende Arbeit geleistet worden, auch wenn die Musik wohl eher Geschmackssache ist. Die Soundeffekte bieten nichts spektakuläres – Genrestandard, wohin das Ohr hört.

Die Steuerung von AN2 ist komplett frei konfigurierbar und lässt keine Wünsche offen. Allerdings dürfte die Trägheit einzelner Schiffe die meisten Spieler anfangs vor einige Herausforderungen stellen.