Aquanox 2: Revelation

Letztes Jahr rief der inoffizielle Nachfolger zu BlueBytes 1997 erschienenen Schleichfahrt eher geteilte Meinungen hervor: Die alten Fans fanden das Gameplay von Aquanox zu actionlastig und zu unrealistisch. Die Story und ihre Präsentation war den meisten zu flach und konnte sie somit nicht wirklich vom Hocker hauen. Mit Aquanox II wollen die Mannheimer nun den alten Veteranen gerecht werden und haben eigenen Aussagen zufolge enorm viele Wünsche aus der Community berücksichtigt. Die Frage ist: Hält Aquanox II das, was uns von Massiveversprochen wird?

Es muss bitter sein, wenn mal als verwöhntes Muttersöhnchen noch an die Romantik von Abenteuern auf See glaubt, an Freibeuter und Abenteurer, nur um plötzlich festzustellen, dass dieses Leben nur recht wenig mit den eigenen Vorstellungen gemeinsam hat. So ergeht es Ihrem Alter-Ego William Drake. Als Sohn eines Transportunternehmers führt er ein eher behütetes Leben, bis das Schicksal zuschlägt, und ihn seiner Eltern beraubt: Seine Mutter kommt bei einem Unfall ums Leben, und sein Vater verschwindet kurz darauf auf mysteriöse Weise. Von nun an wird das Familienimperium von seiner Großmutter geleitet, um deren Geschäftsfähigkeiten es eher bescheiden bestellt ist – kurz gesagt, die Firma geht den Bach runter. Am Ende steht William nur noch mit einem einzigen lausigen Frachter da, mit dem er seinen Lebensunterhalt bestreiten muss. Leider ist dieses Prachtstück auch ein gerne gesehenes Beutestück bei Piraten, und so findet sich der Jungspund nach einer verkorksten Rettungsmission auf einmal in mitten von Piraten und Halsabschneidern wieder, die sich seinen Frachter unter den Nagel gerissen haben. Zum Glück ist der Kopf der Bande zumindest ein halbwegs anständiger Kerl und nimmt Drake in die Truppe auf.

Mit William Drake hat Massive auf eine neue Hauptfigur gesetzt, die Emerald Flint ablöst, und es so möglich macht eine im Gegensatz zum Vorgänger wesentlich interessantere Geschichte zu erzählen, die zwar klischeebehaftet ist, aber dennoch zu gefallen weiß. Den Aufstieg des Jungspundes zum Veteranen haben wohl alle Actionspieler schon duzende Male “erlebt”, doch in Aquanox II ist aufgrund einer recht interessanten Charakterentwicklung von William Drake für Unterhaltung gesorgt.
Viel wirklich Neues gibt es im Vergleich zum ersten Teil aber dennoch nicht zu bewundern. Die großen augenscheinlichen Neuerungen liegen vor allem im Interface. Man hat sich bei Massive auf alte Tugenden besonnen und präsentiert die Lokalitäten wieder wie anno ’97 in Schleichfahrt als vorgerenderte Bilder, auch die Ausstattung des eigenen Bootes präsentiert sich wieder in diesem Stil. Ansonsten bekommen Kenner von Aquanox viel Bekanntes serviert, das mit einem Schuss Realismus (Stichwort “Physik”) verfeinert wurde.

Die Missionen von AN2 sind insgesamt weniger actionlastig ausgefallen als im Vorgänger, was aber nicht heißen soll, dass es nichts zu tun gibt, sondern dass viele Missionen mehr, inzwischen sehr viel mehr, bieten, als “mach alles platt”. In einer Mission geht es beispielsweise darum eine Wissenschaftlerin aus einer misslichen Lage zu retten. Das ist auch sehr schnell geschafft, allerdings besteht die Dame darauf, dass die Feinde sie zu einfach zurückverfolgen könnten, wenn man auf direktem Weg zum Mutterschiff zurückkehren würde – also nehmen unsere Helden (in AN2 hat man in vielen Missionen Flügelmänner) das Hintertürchen, nur um festzustellen, dass es dabei durch eine alte Piratenbasis geht, die immer noch komplett mit Scharfschützen verseucht ist. Natürlich wird unser Alter Ego losgeschickt um dieses Problem zu beseitigen. Was folgt ist eine nette anschleich Einlage, die zwar relativ schwer ist, aber trotzdem einen Heidenspaß macht.

Die meisten Missionen des Spiels sind ähnlich interessant gestaltet. Einziger Kritikpunkt ist der teils relativ knackige Schwierigkeitsgrad, vor allem, wenn man bedenkt, dass es oft noch einen letzten Versuch der Gegner gibt den Spieler zu erwischen, und dass meist direkt vor dem eigenen Mutterschiff, oft gerade dann, wenn man sowieso schon schwer angeschlagen nach Hause kommt und bei solch einer Aktion kaum noch Chancen hat. Schade, dass es keine Punkte in den Missionen gibt, an denen automatisch abgespeichert wird, damit man nicht jedes Mal die teilweise doch recht langen Anfangsphasen der Missionen noch mal spielen muss, wenn man eine Mission verbockt hat.

Grafisch hat sich nicht viel getan, aber wieso auch: Die Krassengine, die hinter dem Spiel steckt, sieht auch heute noch seht gut aus. Die aus Aquanox bekannte Unterwasserwelt wurde einem Facelifting unterzogen und erscheint nun noch detaillierter und vor allem noch düsterer, was für ein gewaltiges Atmosphäreplus sorgt. Mit Grafikkalibern vom Schlage Unreal 2k3 kann es Revelation zwar nicht aufnehmen, die positive Seite davon sind jedoch die Hardwareanforderungen, die sich für heutige Standards sehr moderat ausfallen. Die Modelle der U-Boote sind detailliert, allerdings könnte die Texturauflösung etwas höher sein, denn wenn man nahe an die Gegner heran kommt wirken die Texturen teilweise doch etwas verwaschen. Wie schon im Vorgänger hat auch Revelation eine gewaltige Unterwasserflora aufzuweisen, von kleinen Wassergräsern bis hin zu größeren “Bäumen” wird alles geboten was das Gärtnerherz begehrt.

Der Sound ist wohl einer der stärksten Punkte des Spiels. Zum einen ist die Sprachausgabe nicht mehr so flachbrüstig wie im ersten Teil und zum anderen ist mit dem harten Metallsoundtrack hervorragende Arbeit geleistet worden, auch wenn die Musik wohl eher Geschmackssache ist. Die Soundeffekte bieten nichts spektakuläres – Genrestandard, wohin das Ohr hört.

Die Steuerung von AN2 ist komplett frei konfigurierbar und lässt keine Wünsche offen. Allerdings dürfte die Trägheit einzelner Schiffe die meisten Spieler anfangs vor einige Herausforderungen stellen.

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